• Inez

Mein Traum wird zu der lehrreichsten Lektion meines Lebens

Aktualisiert: Aug 1


In wie vielen Blogs, Posts, Zitaten und Büchern lesen wir, dass wir uns Ziele setzen und unsere Träume leben sollen? Ich lese es überall und du genauso. Ich schreibe sogar darüber in meinem Blog. Jeder ahnt zu wissen wie es funktioniert. Es gibt viele Wege keine Frage. Aber was tust du, wenn du deinen Traum erreicht hast und dieser Traum sich nicht als DIESER Traum entpuppt und du dich fragst "Moment mal, ich habe es mir aber ganz anders vorgestellt. War das alles nur eine Illusion?".

Lass es mich am Anfang des Beitrages erwähnen, dass es sich um keinen motivierenden, sondern einen erleuchtenden Beitrag handelt. Es soll dich auch keineswegs demotivieren, sondern zeigen, dass nicht alles, was wir Menschen uns in den Köpfen vorstellen, auch der Wahrheit entspricht. Nicht nur Social Media spielt mit uns, unser Gehirn leider auch.


"Wünsche sind Verzerrungen des Jetzt."

Mein größter Traum war es geschäftlich zu reisen, in eine andere Stadt umzuziehen und auf einer Position zu arbeiten, in der ich Verantwortung übernehmen und mit Menschen arbeiten kann. Das war mein Traum seit vier Jahren. Rückblickend auf die vier Jahre sage ich, dass sich meine Manifestation über die vergangenen Jahre definitiv ausgezahlt hat!

Diesen einen Traum habe ich endlich 2018 erreicht. Ich bin in meiner Position aufgestiegen und durfte nach Berlin, Oberhausen und Bielefeld reisen. Ich stand kurz davor nach Bielefeld umzuziehen und mein Leben dort anzufangen.

Aber war ich glücklich?

Ich war wie im siebten Himmel, denn die ersten Wochen waren reizend! Ich durfte reisen, mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten und vieles erleben. Andere Städte kennenlernen und vor allem mich selbst neu kennenlernen. Und bei einem bin ich mir sicher...dieser Traum ist bis jetzt eine der größten Lektionen für mich gewesen.

Am meisten hat mich die Vorstellung gepackt, wie es wohl wäre in einer anderen Stadt zu leben. Lange habe ich es mir ausgemalt anderswo zu wohnen und Neues zu erleben und zu sehen. Es schien mir so frei und verlockend. Ich dachte, damit wäre mein Glücklichsein erfüllt. Ich dachte, damit könnte ich meinen Alltag ein bisschen erfrischen und aus einer neuen Stadt meine Motivation ziehen.

Jedoch war ich so stark auf mein Traum und die Zukunft konzentriert, dass ich andere wichtige Komponenten im Leben vergaß. Ich vergaß das Jetzt. Ich nahm es überhaupt nicht in Erwägung, wie mein Leben, dass ich jeden Tag lebe, aussehen wird. Die Vorstellung mein Ziel zu erreichen, hat mich so sehr gereizt, dass ich überhaupt nicht weiter nachgedacht habe. "Ein schönes Leben" reicht mir als Antwort nämlich nicht. Habe ich die Frage bewusst verdrängt oder lag es mir nur am Herzen das Ziel zu erreichen?


Es wurde mir nämlich erst dann bewusst, als ich meine Freunde, Familie, meinen Freund und meine Routine nicht mehr bei mir hatte. Plötzlich wurde mir klar, dass abgesehen von der Persönlichkeit eines Menschen, auch diese Komponenten ein Teil meines Lebens ausmachen und sie waren einfach nicht mehr da. Von heute auf morgen führte ich buchstäblich ein anderes Leben nur im demselben Körper.

Ich war nicht alleine. Ich war von vielen Menschen umgeben, aber von Fremden. Ich habe in einer anderen Stadt gearbeitet und dieselbe Arbeit ausgeführt, aber in einem anderen Umfeld. In einem Fremden. All das war Neuland und so fremd für mich. Ich selbst wurde mir fremd.

Von einer neuen Stadt erhoffte ich mir Motivation. Neue Umgebung sollte mich aufblühen lassen. Im Gegenzug bekam ich Frustration zurück.

Mir ist klar, dass ich nicht die einzige Person auf dieser Welt bin, die in eine andere Stadt umzieht, weil etwas Neues sie reizt. Das Abenteuer, neue Herausforderungen und neue Gesichter. Aber einfacher habe ich es mir definitiv vorgestellt.

Tatsächlich kann ich sagen, dass aus einem vier jährigen Traum innerhalb von Wochen ein Albtraum wurde. Ich habe in der ersten Woche jeden Tag geweint. Ich hatte schlaflose Nächte, habe innerhalb von 2 Wochen 5 Kilo abgenommen und hatte Depressionen. Ich befand mich in einem Konflikt mit mir selbst, weil es der Traum für mich war, aber in der Realität gefiel er mir nicht. Ich habe meine Entscheidung gehasst. Mein Traum ist gescheitert und ich dachte

"Was mache ich jetzt? Habe ich nur darauf hingearbeitet?"

Nach 2 Monaten kehrte ich zurück nach Bremen. Es war wie Balsam für meine Seele bei meinem Freund, Familie und Freunden zu sein. Allein der Gedanke daran, dass ich in Bremen bleiben kann, hat mich ausreichend therapiert. Ich war der glücklichste Mensch auf Erden und began die kleinen Dinge zu schätzen, wie beispielsweise den vertrauten Geruch von meiner Bettdecke. Bist du schon mal zu Bett gegangen, mit dem Bewusstsein in diesem Bett schlafen zu dürfen? Tu das, und du wirst dich glücklich schätzen.

Das hat mich mein Traum gelehrt

1. Halte nicht an etwas fest, wenn es sich nicht für richtig erweist.

2. Ziele sind wichtig, aber dein Wohlbefinden wichtiger.

3. Habe Vertrauen zu dir selbst, denn neue Situationen werden dich auf Probe stellen.

4. Sei bereit aus jeder dir gestellten Lektion zu lernen.

5. Jede negative Erfahrung zieht immer eine Lehre mit sich.

6. Sei dir bewusst, dass du mit jeder deiner Entscheidung wächst.

7. Sei dankbar und zufrieden für das, was du in diesem Moment hast.

8. Lebe nicht nur für deine Ziele, sondern auch in diesem Moment.

9. Sei geduldig.

10. Schrecke vor nichts zurück

Rückblickend erkläre ich mir die Entwicklung meiner Erfahrung so, dass es anders hätte nicht laufen können. Es ist normal, dass man in eine neue Situation erstmal hineinwachsen muss, denn etwas Neues stellt immer eine Herausforderung dar. Völlig nachvollziehbar, dass ich mich überfordert gefühlt habe, wenn ich noch nie mit so einer Situation konfrontiert worden bin. Mit diesem Fehlschlag bin ich nur einen Schritt näher meiner persönlichen Entwicklung und Traums gekommen.

Auch wenn mein Traum sich nicht als mein Traum entpuppt hat, schließe ich es nicht aus. Vielleicht werde ich eines Tages dafür bereit sein. Vielleicht unter anderen Umständen und Bedingungen. Aber eben noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Ich finde es ok und bin gespannt auf einen neuen Versuch.

Hat sich dein Traum schon mal als ein Alptraum erwiesen?

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