• Inez

Dieser natürliche Effekt macht Motivationsinstrumente zweitrangig

Aus den Dating-Ratgebern bekannt: Willst du, dass dich jemand sympathisch findet, dann ahme seine Bewegung nach. Bloß nicht auffällig, sonst wirkt es seltsam. Mache die gleichen Handbewegungen oder nimm die gleiche Sitzposition ein. Das Überschlagen von Beinen wirkt dabei besonders effektiv. Natürlich nur, wenn dein Gegenüber dies schon vorgemacht hat.


Dieser Rat ist sehr gut, denn unser Gehirn stuft den Gegenüber tatsächlich als sympathischer ein, wenn die Person uns ähnlich ist. Nicht nur in der Körpersprache, sondern auch in ihren Interessen, Kleidungsstil, Glaubenssätzen oder Sprache. Gemeinsamkeiten tun es uns an, dass wir uns trauen, uns der anderen Person zu öffnen. Es ist ein Signal, dass wir uns sicher fühlen können und verstanden werden. Alles andere würde uns in die Fight or Flight Reaktion versetzen und wirkt schlichtweg stressig auf uns. Fühlen wir uns nicht verstanden, dann greifen wir verbal (Fight) an oder flüchten (Flight) aus der Situation.


Das Mimikry Phänomen

Mimikry bezeichnet hierbei das Phänomen der Nachahmung. Wo Ratgeber uns vermitteln, was wir tun können, um sympathischer wahrgenommen zu werden, passiert dieses Phänomen ganz natürlich und unbewusst in sozialen Interaktionen, wenn wir gemocht werden wollen oder um zu signalisieren, dass die Person uns sympathisch ist. Betrachte das Mimikry Phänomen als eine natürliche Strategie der Menschen, um Sympathiepunkte bei anderen zu gewinnen, gute Freunde zu finden oder sich im neuen Umfeld zurechtzufinden.

Für die Nachahmung von Bewegungen, Sprache oder Gefühlen sind die Spiegelneuronen verantwortlich, die unser Gehirn als Nervenzellen bewohnen. Sie helfen uns dabei unter anderem Empathie zu empfinden. Musst du auch gähnen, wenn der Kollege gerade gegähnt hat oder tut dir auch der Ellenbogen weh, wenn sich jemand anderes am Musikknochen gestoßen hat? Sogar beim Lesen bekommt uns das Gefühl.


du hast weitaus mehr Macht über deine Mitarbeiter

In einem Experiment wurde der Einfluss des Lauftempos von zwei Gruppen untersucht.


Gruppe 1: jüngere Personen und schnelles Lauftempo

Gruppe 2 : ältere Personen und langsames Tempo


Die Probanden im Experiment passten sich der jeweiligen Gruppe an. Befand sich also eine jüngere Person in Gruppe 2, nahm sie das Tempo der älteren Personen an und lief automatisch langsamer. Die gleichen Probanden nahmen auch in Gruppe 1 teil und haben den gleichen Einfluss erlebt. Sie haben ihr schnelles Lauftempo der Gruppe angepasst.

Es ist wie ein Dominoeffekt. Fängt der eine an, passt der andere sich an. Vorgesetzte sind in ihrer Rolle die Vorbilder schlechthin. Bewegst du dich langsam im Büro, werden deine Mitarbeiter diesen Gang nachahmen. Nicht nur das. Wunder dich nicht, wenn sie plötzlich deine Wortwahl verwenden.

Bevor wir also anfangen, sich über die Motivation der Mitarbeiter zu beschweren und wie die Irren jegliche Motivationstricks nutzen, sollten wir uns selbst auf die Nase schauen. Wie wirst du von deinen Mitarbeitern wahrgenommen? Welches Bild und Werte gibst du ab?


Mimikry lässt Klone entstehen

Je ähnlicher wir uns sind, desto sympathischer sind wir uns. Trifft man auf eine Gruppe von Mitarbeitern im Unternehmen, wird aus mehreren Individuen ein gemeinsames und neues Individuum. Es ist eine Mischung aus alten und neuen Verhaltensweisen, die sich die Mitarbeiter angeeignet hat. Sie haben eine ähnliche Sprechgeschwindigkeit und Wortwahl, ja sogar Körpersprache.


Sympathie lässt gemeinsame Verhaltensweisen entstehen.

Teams in Unternehmen werden von Mimikry nicht verschont. Denn auch in Unternehmen sind Menschen danach bestrebt und äußerst engagiert nach Gemeinsamkeiten zu suchen und sich mit sympathischen Menschen zusammenzutun. Bestehen Rituale im Unternehmen, werden diese nicht hinterfragt, sondern für sich selbst übernommen, um der Gruppe anzugehören und gemocht zu werden. Mitarbeiter übernehmen zudem die Glaubenssätze und die Vision eines Unternehmens.

Als Unternehmen gibt dir der natürliche und unbewusste Mimikry Effekt eine große Macht an die Hand. So use it wisely.


Menschen werden von 3 Motiven beeinflusst

  1. Sicherheit. Menschen und Gruppen, mit denen wir viel gemeinsam haben und ähnliche Interessen haben, geben uns ein Gefühl der Sicherheit. Dieses Gefühl ist wichtig für uns, denn wir wollen ein sicheres Wissen über uns und unser Umfeld haben. Sicherheit gehört zudem zu dem Grundbedürfnis eines Menschen. Dabei streben wir nach einem sicheren Einkommen, einem Dach über dem Kopf und genügend Essen. Sind die Grundbedürfnisse erfüllt, sind wir in der Lage, uns weiter zu entwickeln und wirklich zu leben.

  2. Kontrollbedürfnis. Wir möchten in verschiedenen Situationen angemessen reagieren können. Unser Umfeld ist eine sichere Zone für uns, weil wir einschätzen können, wie der andere auf uns und unsere Meinung reagieren. Des Weiteren können wir uns sicher sein, dass wir verstanden werden. Auch wenn es zu Konflikten kommt, kennen wir die richtigen Zügel, um zu schlichten. Oft äußert man sich mit dem Satz "Der andere hat es gar nicht so gemeint." Wir können uns vorstellen, wie der andere denkt und mit welcher Intention eine Äußerung gemeint war. Dabei können auch zu viele Sympathiepunkte unsere Klarheit verschwinden lassen.

  3. Wohlbefinden. Wir möchten uns in den Gruppen, denen wir angehören, wohlfühlen. Sind uns Menschen sympathisch, entwickeln wir Strategien, die uns dabei helfen, der Gruppe anzugehören. Wir passen uns in der Denkweise und Meinung der anderen an. Die Sympathiepunkte lehren uns nachzuvollziehen, warum an der Meinung von den anderen etwas dran sein muss. Um uns wohlfühlen, geben wir deshalb nach, um bloß keine kontroverse Meinung in den Raum zu werfen.

Unser System ist darauf ausgerichtet in Gruppen zu leben

Ob wir es wollen oder nicht, wir werden unbewusst von anderen beeinflusst, weil unser System darauf ausgerichtet ist, in Gruppen zu leben.


der Anpassungsprozess in einer neuen Umgebung

Du als Individuum wirst externen Einflüssen ausgesetzt. Alles Bekannte ist normal. Alles Unbekannte ist nicht normal und wird als Bedrohung eingestuft. Weshalb wir Menschen von Natur aus auf Veränderungen zunächst mit Ablehnung reagieren. Du siehst die anderen und nimmst ihre Körpersprache, Mimik und Sprache war. Du beobachtest, wie langsam sich die Menschen im neuen Büro bewegen. Du hörst über welche seltsamen Dinge sie lachen oder, dass sie bestimmte Sätze in bestimmten Situationen sagen, wie: Ready, as you are. Später findest du die Bedeutung heraus, die so viel bedeuten soll: Sag mir Bescheid, wenn du fertig bist und wir legen los.

Für dich ist das Neuland. Dein Gehirn kann das alles noch gar nicht zuordnen und stuft das als „Neue Information“ ein. Zunächst beobachtest du alles oberflächlich und suchst nach Gemeinsamkeiten. Du siehst die Kaffeemaschine und dir fällt aus, dass sie von der gleichen Marke ist wie die aus der alten Arbeitsumgebung. Du merkst jedoch nicht, dass dies ein Vollautomat mit Milchschäumer ist. Fragte man dich nach den Details, würdest du sagen: Exakt dieselbe! Ist mir sympathisch. Weil du dich zurechtzufinden versuchst, in dem du nach Gemeinsamkeit suchst.


Wir suchen nach Gemeinsamkeit in Menschen oder in der Umgebung, um uns zurechtzufinden und wohlzufühlen.

Dabei übersiehst du die Details. Dies ist unteranderem mit der Gründe, warum neue Mitarbeiter anfangs viele Fehler machen, obwohl sie die Tätigkeit seit 5 Jahren in einer anderen Umgebung gemacht haben. Gleichzeitig versuchst du, alles Neue zu codieren. Mit Codieren meine ich Kategorien zuordnen. Wir Menschen haben persönliche Kategorien. Wir wissen, ob etwas gut oder schlecht ist und ordnen es der Kategorie zu. Richtig, um uns zurechtzufinden und sicher im Umfeld zu agieren. Beispielsweise wird langsames Gehen als etwas Gutes eingestuft und „normales“ in der neuen Umgebung. In deiner vorherigen Arbeitsumgebung war jedoch alles so hektisch und das war „normal“. Langsames Gehen galt als Symbol für langsames Arbeiten. Dein Gehirn muss also erst einmal umdenken bzw. umcodieren, wie er sich in der neuen Umgebung zu verhalten hat.


Nach einer Weile werden die seltsamen Dinge zur Normalität und auch du fängst an über die dir zuvor seltsamen Dinge zu lachen.


Also, I'm ready as you are.