• Inez

Wieso ich mich entschied während Corona zu kündigen



Es war Ende April, als der Einzelhandel wieder öffnen dürfte. Ich kam an meinem Arbeitsplatz an, aufgeregt was mich und mein Team erwarten wird und unter welchen Maßnahmen wir arbeiten werden. Ich war begeistert, den Store auf die Wiedereröffnung vorzubereiten. Doch dann, wie eine plötzlich wende, war ich unmotiviert. Ich rappelte mich aus dem Bett auf, um auf der Arbeit präsent zu sein. Es kostet mich doppelt so viel Kraft, um mit meiner Laune mein Team nicht zu demotivieren. Ich fuhr erschöpft von der Arbeit nach Hause und wieder hin. Ich fragte mich, woran es liegt und es lies mir keine Ruhe. Schließlich waren 5 Wochen Erholung mehr als genug.

War es die Rückkehr nach dem Corona Lockdown, der mich zu meiner Kündigung veranlasst hat?

Ich hätte gedacht, es wäre nur eine Phase. Dabei wollte ich mir nicht eingestehen, dass ich innerlich gekündigt habe. Ich habe nicht verstanden warum. Schließlich war ich sicher in meinem Job und in dem was ich tue. Ich war nicht überfordert. Ich regelte meine Arbeitszeit selbst. Ich hatte ein tolles Team. All die Faktoren sollten für meine Zufriedenheit sorgen, denn sie sind schließlich wichtig für mich.


Auch nach der bekannten Motivationstheorie von Herzberg gibt es die Hygiene- und Motivationsfaktoren, die uns entweder zufrieden machen oder nicht unzufrieden. Sie verhindern also, dass wir unzufrieden werden. Gute Arbeitsbedingungen machen uns nicht glücklich bzw. motivieren uns nicht, aber wenn sie nicht vorhanden sind, dann macht uns das unzufrieden. Hier ein kleiner Auszug:

Quelle: Zoller, K. & Nussbaumer, P., (2019) Persönlichkeitsbewusste Mitarbeiterführung, Wiesbaden: Springer Gabler

Warum war ich nicht motiviert und zufrieden?

Meine selbstgeregelte Arbeitszeit und die Sicherheit im Job sorgten dafür, dass ich nicht unzufrieden war. Sie machten mich jedoch nicht zufrieden. Meine Tätigkeiten im Job haben mich nicht überfordert, aber auch nicht gefordert. Ich hatte das Gefühl langfristig stehen zu bleiben, ohne jeglicher Aussicht auf Weiterentwicklung und mögliche Aufstiegschancen. Ich brauchte ein Ziel, einen sichtbaren Weg für mich im Unternehmen und den hatte ich nicht.

Einige Leser, werden sich denken, dass es Luxusprobleme sind. Für mich sind es persönliche Werte, die von mir definiert wurden und wichtig sind, um in meinem Leben eine Erfüllung zu finden und das Leben nach meinen Regeln zu leben.

Definiere für dich persönlich, was dir wichtig ist und du wirst deinen Platz finden.

Dabei ist eine Grundhaltung ganz entscheidend: Erlaube es dir, genau hinzuhören und für dich zu entscheiden. Menschen verändern und entwickeln sich. Bestenfalls. Das, was dir vor zwei Jahren bei einem Job wichtig war, wird morgen wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen. Wieso? Möglicherweise haben sich deine Umstände und Umgebung verändert und du bist zu einem nächsten Schritt bereit, der das alte nicht mehr erfordert. Deine Persönlichkeit hat sich entwickelt und du bist selbstsicherer geworden. Ein Job als Angestellte kommt für dich nicht in Frage, denn du bist bereit, dich in einer Selbstständigkeit zu verwirklichen. Und es ist völlig in Ordnung.


Jeder ist individuell.

Jeder hat seinen individuellen und persönlichen Werte und Vorstellungen vom eigenen Leben, Job und Beziehung. Es gibt nicht die beste Lösung, sondern die beste für dich. Deine individuelle Lösung, die zu deinem Leben, Beruf und deiner Beziehung passt. Dabei definierst du für dich, was für dich wichtig ist.


Nach meiner Kündigung ist mir nochmals klargeworden, dass wir den Mut haben sollten, uns beruflichen zu verändern. Wir sollten den Mut haben, auf uns selbst zu hören und den eigenen Weg gehen. Wir sollten uns trauen, die Stimmen, die an uns nicht glauben, auszublenden. Wir sollten uns selbst mehr vertrauen.


Und um zuletzt die Frage zu beantworten, ob Corona meine Entscheidung beeinflusst hat. Möglicherweise. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass ich vor meiner endgültigen Entscheidung, nach Hinweisen gesucht habe, die meine Meinung bestätigt haben, um zu kündigen. Jeglicher Störfaktor landete auf die Pro-Liste für meine Kündigung. Das Unternehmen hat sich nicht verändert, sondern meine Einstellung, Bedürfnisse und Wünsche. Und es ist ok.

Was ist jetzt mache?

Mein Beruf: project inspired , freiberuflich.


Gibt es nicht? Gibt es doch!

Die Berufsbezeichnung ist perfekt. Für mich. Weil ich ganz genau weiß, womit ich mich momentan beschäftigen möchte, es jedoch nicht ausschließe, an was anderem zu arbeiten und das lässt mir die Freiheit. Hallo Welt. Here I am. Freelancer, free as a project and human can be. Doing what I want and loving doing it.

Ich habe keine Lust auf Titeln und irgendwelche Machtspielchen in der Hierarchie. Ich widme mich den Dingen, die mich aktuell erfüllen. Schreiben. Lesen. Sein. Betonung auf "aktuell", denn bald sieht es wieder ganz anders aus. Es ist eben ein Projekt: me.

Wenn es dir genauso geht, dann lass uns vernetzen und austauschen!

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